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Starkes Westfalen-Lippe - Die Wachstumsregion

Kurztext:

Bei ihrer gemeinsamen Sitzung in Münster verabschiedeten die drei Regionalräte Arnsberg, Detmold und Münster einstimmig ein 11-Punkte-Positionspapier, das die Stärken der westfälisch-lippischen Region betont und die gemeinsamen Anforderungen und Herausforderungen für die zukunftsweisende Entwicklung formuliert:

Datum:
Freitag, 11. März 2016

Regionalrat Arnsberg    Regionalrat Detmold      Regionalrat Münster

Starkes Westfalen -Lippe – die Wachstumsregion

Westfalen gehört mit dem Münsterland, Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen zu den stärksten Wirtschaftsstandorten in Deutschland. Mit charakteristischen Landschaften, attraktiven Tourismus- und  Freizeitmöglichkeiten und differenzierten und leistungsstarken Wirtschafts-und Sozialstrukturen hat Westfalen-Lippe eine hohe Ausstrahlungskraft. Diese reicht weit über die Landesgrenzen hinaus. Die Region liegt  im deutschen und europäischen Raum zentral und verkehrsgünstig.  Unsere Flughäfen und ein qualifiziertes Straßen- und Schienennetz sichern eine gute Anbindung und Erreichbarkeit. Starke Ober- und Mittelzentren arbeiten in stadtregionalen Kooperationen eng zusammen. Prägende Kennzeichen der regionalen Wirtschaft sind der Mittelstand, ein ausgewogener Branchenmix mit Schwerpunkten im verarbeitenden Gewerbe, Maschinenbau, Automotive, Kunststoffindustrie, Ernährungsgewerbe, Gesundheitswirtschaft, Möbelproduktion und Bekleidungsgewerbe. Westfalen-Lippe ist zudem einer der stärksten Hightech-Standorte in Europa. Flexible, zügige Reaktionen auf sich ändernde Markterfordernisse, die schnelle Umsetzung von Geschäftsprozessoptimierungen und die Fähigkeit zur Entwicklung neuer Geschäftsfelder zeichnen die mittelständisch geprägten Unternehmen in Westfalen – Lippe aus. Zahlreiche Mittelständler gehören als Weltmarktführer zu den „hidden champions“ und international bekannten Markenfirmen. Die in der Mehrheit familiär geführten Unternehmen denken nicht in Quartalen sondern in Generationen. Die Arbeitswelt in Westfalen-Lippe ist von einem fairen Umgang der Sozialpartner geprägt, denn Arbeitgeber und Arbeitnehmer wissen, was sie „aneinander“ haben. Die im Wesentlichen intakten Sozialstrukturen und das gelebte ehrenamtliche Engagement gehören zu unserer Region. Eine starke Hochschullandschaft mit Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen sowie Forschungszentren und Kliniken sorgen für internationale Bekanntheit und Akzeptanz.

Neue Herausforderungen für Westfalen-Lippe

Der demografische Wandel, die fortschreitende Globalisierung der Märkte, die veränderte Ausrichtung der europäischen Struktur- und Agrarpolitik sowie die Folgewirkungen globaler Klimaveränderungen stellen auch Westfalen-Lippe vor neue Herausforderungen Diese externen Einflüsse werden  auch die  Regionen außerhalb der Ballungsräume mit ihren regionalen Strukturen, Funktionen und Entwicklungen zukünftig prägen. Aus ihnen entstehen neue Handlungsbedarfe, die in Abschätzung von Chancen und Risiken analysiert und getroffen werden müssen.

Wir müssen alles Notwendige tun, damit die vielen innovativen Unternehmen in zahlreichen Branchen auch in 10 oder 20 Jahren gesichert sind.

Die Funktionsvielfalt als wesentliches Entwicklungspotential  muss erhalten, und die Wirtschafts- und Arbeitsplatzstruktur im internationalen Wettbewerb weiter diversifiziert werden.

Die Auswirkungen, die der demografische Wandel auf die Siedlungsstruktur haben wird, müssen erkannt und analysiert werden. Die Qualität der Daseinsvorsorge muss gesichert werden.

Die Folgewirkungen, die die steigenden Flächenansprüche und Nutzungskonkurrenzen von Siedlung und Verkehr, Nahrungsmittelproduktionen, nachwachsenden Rohstoffen und ökologischen Dienstleistungen einschließlich Ausgleichs- und Ersatzflächen haben werden, müssen erkannt und  bewältigt werden.

Notwendige und richtige Anpassungsstrategien an den globalen Klimawandel müssen  auf allen Ebenen für die zukünftige Landnutzung erarbeitet und umgesetzt werden.

Die Chancen der Digitalisierung müssen zeitnah  optimal genutzt werden. Der Anschluss an die digitale Zukunft muss mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gesichert werden.

11 Positionen für eine erfolgreiche Zukunft

Unsere Regionen mit ihren Wirtschaftsräumen befinden sich in einem interregionalen und internationalen Standortwettbewerb. Klein- und mittelständische Unternehmen, mit starker Bindung an Standort und Region, bilden dabei das Rückgrat der Wirtschaft Westfalens.
Die Regionen in  Westfalen-Lippe stehen vor der Herausforderung, sich im Netz wachsender Verflechtungen noch stärker als bisher zu positionieren. Kommunales Handeln wird dabei von den Anforderungen und Perspektiven interkommunaler, d. h. in diesem Sinne regionaler Entwicklung bestimmt werden.

1. Im Landesentwicklungsplan NRW muss eindeutig formuliert werden, dass in allen Regionen des Landes NRW, in den Metropolregionen Ruhr und Rheinland sowie in der mittelstandsgeprägten Wachstumsregion Westfalen-Lippe, regionale Kooperationen und funktionale Arbeitsteilung gleichermaßen gewünscht, unterstützt und weiterentwickelt werden. Insoweit wird die Ankündigung der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft begrüßt.

2. Westfalen will und wird seine bisher schon erfolgreichen Wachstums- und Innovationsprozesse weiter ausbauen und erwartet, dass die Landesregierung bei dem Einsatz von Fördermitteln eine Gleichbehandlung aller Regionen sicherstellt; die Ausweisung als Metropolregion  kann kein Kriterium für Förderung sein.

3. Die zukünftige Ausgestaltung von Finanzierungsbedingungen und Förderrahmen muss der besonderen Bedeutung regionaler Entwicklungen und interkommunaler Kooperationen Rechnung tragen. Kommunale Finanzspielräume müssen den zusätzlichen Aufgaben entsprechend angepasst werden.

4. Die Fördermittel von Bund und Land müssen in enger Abstimmung mit den Kreisen, den Oberzentren und auch den Kommunen zeitnah für eine flächendeckende leistungsfähige Breitbandversorgung von 100 Mbit/s aktiviert werden. Der Ausbau von FTTH / Glasfaser zur symmetrischen Übertragung muss umgehend in allen Gewerbe- und Wohngebieten erfolgen. Ein Kataster ist zu erstellen, soweit  noch nicht geschehen. Auch für die dünn besiedelten Außenbereiche müssen möglichst sofort Lösungen gefunden werden. Wir regen an, dazu einen „Masterplan Breitband für Westfalen-Lippe“ zu erarbeiten.

5. Kreise und Kommunen müssen mit nachhaltiger finanzieller Unterstützung von Land, Bund und auch der EU neue Konzepte für die Mobilität (auch Elektromobilität) entwickeln können. Die praktische Umsetzung könnte und sollte in westfälischen Modellstädten  erprobt werden.

6. Nur eine bedarfsgerechte und nachhaltige Industrie- und Gewerbeflächenentwicklung, eine wohnortnahe Einzelhandel-Versorgung, die Stärkung der Orts- und Stadtkerne sowie die notwendige Daseinsvorsorge sichern  die Attraktivität und Lebensqualität. Dies muss planerisch ermöglicht und unterstützt werden.

7. Die duale Ausbildung und das duale Studium sichern den Bedarf an qualifizierten Fachkräften, betriebsnahe Weiterbildung unterstützt den Anschluss an Wirtschaft 4.0. Dies setzt standortnahe Bildungseinrichtungen voraus. Unser Ziel ist die Gewährleistung berufsbezogener Ausbildung und die Sicherung bzw. Stärkung entsprechender Schulen, Fachhochschulen und Universitäten. Die bisherige hervorragende Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft muss weiter gefördert und ausgebaut werden.

8. Kooperationen zwischen Hochschulen und Wirtschaft müssen verstärkt initiiert und  intensiviert werden. Vorhandene und neu einzurichtende Forschungseinrichtungen, besonders auch außeruniversitäre, müssen finanziell und personell gefördert und gestärkt werden, um u.a. die digitale Transformation umzusetzen und weiterzuentwickeln.  Ein zukünftiger Schwerpunkt muss die Vernetzung von Mittelstand, Digitalisierung und internationalem Geschäft sein, um sich im globalen Wettbewerb behaupten zu können.

9. Die hohe Qualität medizinischer Versorgung in NRW muss in allen Regionen, auch außerhalb der Ballungsräume, gesichert werden. Besonders  neue Möglichkeiten wie z.B. der Telemedizin müssen umgehend weiterentwickelt und  finanziell gefördert werden.

10. Unsere mittelständisch geprägte Wachstumsregion muss durch den Ausbau wichtiger Infrastrukturprojekte besser, schneller und möglichst umweltgerecht erreichbar sein. Dabei gilt es, durch den bedarfsgerechten Ausbau wichtiger Erschließungsstraßen sowie besonders durch Lückenschlüsse, strategisch wichtiger Schienenverbindungen und  Wasserwege eine Vernetzung der wichtigen Verkehrsstrukturen aufzubauen und finanziell sicherzustellen.

11. In der Land- und Forstwirtschaft wird es zu neuen Funktionszuweisungen kommen. Um diese Herausforderungen meistern zu können, muss die Landwirtschaft in ihrer  Leistungsfähigkeit für hochwertige Produkte und Nahrungsmittel gestärkt werden; dazu gehören auch die Berücksichtigung ökologischer Belange und der Aufbau  regionaler Wertschöpfungsketten in Bereichen wie Erneuerbare Energie, Landschaftspflege, naturnahe Erholung und Freizeitgestaltung sowie der Ausbau einer funktionierenden Regionalvermarktung.

Wir wollen ein starkes Westfalen–Lippe – wettbewerbsfähig im internationalen Maßstab, dynamisch im Strukturwandel und offen für neue Ideen und nachhaltige  Entwicklungen sicherstellen. Dafür werden sich die drei Regionalräte aus Arnsberg, Detmold und Münster zusammen mit allen Verantwortlichen in Westfalen-Lippe auch in Zukunft einsetzen und konkrete Vorschläge für eine zukünftige Kooperation erarbeiten. Dafür brauchen die Regionen die Unterstützung des Landes, des Bundes und der EU; diese fordern wir nachdrücklich ein.

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2016-03-11 Positionspapier Starkes Westfalen-Lippe - die Wachstumsregion.pdf17.22 KB